Keine Eltern, keine Stimme: Inobhutnahme aus Sicht eines betroffenen Kindes

Was passiert mit einem Kind, wenn es gegen seinen Willen aus der Familie gerissen wird?

Hannes war zwei Jahre alt, als er in Obhut genommen wurde. Der Grund? Bagatellen, wie er heute sagt. In einem eindrucksvollen Interview berichtet er von seiner frühesten Erinnerung, der plötzlichen Trennung von seiner Familie, den Gesprächen mit dem Jugendamt und dem Gefühl, nicht gehört worden zu sein. Ein Kind, das sich wünscht, dass jemand zuhört – und niemand tut es.

„Ich war derjenige, der keine Eltern hatte.“

Dieses Video ist keine Anklage – sondern ein Einblick. In das Innenleben eines Kindes, das durch das Raster gefallen ist. Hannes erzählt, wie schwer es war, in der Wohngruppe anzukommen, wie viele Jahre es dauerte, bis er wieder herauskam, und welche Spuren diese Zeit hinterlassen hat.

Warum dieses Video wichtig ist

Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche sind in Deutschland von familiengerichtlichen Maßnahmen betroffen. Doch selten kommen sie selbst zu Wort. Dieses Gespräch mit Hannes ist ein Versuch, diese Lücke zu schließen.

Kindeswohl bedeutet mehr als Paragraphen und Verfahren. Es bedeutet zuhören. Verstehen. Und manchmal auch: Fehler eingestehen.

Sie möchten sich einbringen? Hinterlassen Sie gern einen Kommentar unter dem Beitrag. Wenn Sie selbst betroffen sind oder Fragen haben oder Unterstützung benötigen, schreiben Sie mir direkt unter: creydt@heinercreydt.de.

One thought on “Keine Eltern, keine Stimme: Inobhutnahme aus Sicht eines betroffenen Kindes

  1. Sylvia Mai 19, 2025 at 4:55 p.m.

    Was Hannes über seine Zeit im Heim sagt, entspricht ziemlich dem was ich von meinen Kindern gehört habe. Bei meiner jüngeren Tochter kam noch sexuelle Belästigung hinzu, sowohl durch einen größeren Jungen in der Gruppe als auch durch einen Erzieher. Machen kann man als Mutter gar nichts, die Mauer des Schweigens hält. Ich habe einmal mit einer Bekannten gesprochen, die früher bei der Polizei war und die sagte mir die Zustände in den Heimen sind der Polizei durchaus bekannt aber sie können nichts machen, weil die Täter vom Heimpersonal und diese wiederum vom Jugendamt gedeckt werden. Es ist ein Witz: das Heim bekam aufgrund meines Anrufs beim Veterinäramt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, aber bei den Kindern kann man nichts machen. Tierschutz wichtiger als Kinderschutz??? Danach durfte meine Tochter nicht mehr zu den Tieren. Meiner Tochter wurde auch immer wieder gesagt, sie solle mir misstrauen und dass ich in Wirklichkeit ganz anders wäre als sie mich erlebt. Es wurde auch immer wieder gesagt sie solle mich fragen wie es wirklich gewesen sei und was ich getan hätte.
    Auch das mit den Gutachten und Stellungnahmen kann ich nur bestätigen. Teilweise ist diese Manipulation sogar den Protokollen selbst zu entnehmen. So wurde meine Tochter in einem Gespräch mehrfach gefragt ob sie mich nun länger ODER öfter sehen wolle und sie antwortete zweimal „länger UND öfter“ und jedesmal wurde ihr gesagt sie müsse sich entscheiden. Das ist definitiv keine objektive Gesprächsführung. Auch in den Gesprächen mit mir wurde immer wieder versucht mich zu manipulieren, was ich natürlich nicht mitgemacht habe. Ich wurde auch immer wieder gefragt was ich falsch gemacht hätte. Bei einem Gespräch ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe gesagt: „Das Problem mit euch ist dass ihr die Fehler immer überall sucht nur nicht bei euch selbst!“. Über diese Gutachten und Stellungnahmen alleine könnte ich ein ganzes Buch schreiben, vielleicht könnte man darüber mal einen Beitrag machen. Ich könnte mir eine Teilnahme an so einem Beitrag durchaus vorstellen und würde auch gerne meine Unterlagen zur Verfügung stellen. So wurde z. B. gesagt meine Tochter stünde unter Stress da sie nachts noch eine Windel brauchte. Da war sie vier! Ich weiss nicht ob der Richter es nicht besser wusste oder es gar nicht wissen wollte (leider hatte ich oft das Gefühl dass es tatsächlich Nicht-wissen-wollen war) aber er hat es geschluckt. Auch als der Verfahrensbeistand behauptete meine Therapie könne aufgrund der Länge nicht erfolgtreich gewesen sein, sie wisse das weil sie in ihrer Ausbildung ein Seminar Psychologie gehabt habe. Die Frau ist Logopädin, trotzdem galt ihr Urteil mehr als das meines Therapeuten und meines Arztes! Man kommt sich vor wie in einem schlechten Film! Ich habe schon öfter gesagt wenn Kafka noch leben würde, würde er seinen „Prozess“ angesichts solcher Realitäten als reinen Dilletantismus einstampfen. Diese ganzen Verfahren sowohl vor dem Familiengericht Augsburg als auch vor dem OLG Bayern waren eine einzige Farce! Meine Tochter wurde übrigens nicht ein einziges Mal bei Gericht angehört, genauso wenig wie alle Zeugen die meine Version der damaligen Ereignisse.
    Ich fordere vom Gesetzgeber:
    Eine belastbare Definition der Begriffe Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung anhand einer Leitllinie ähnlich wie bei der Tierhaltung an die sich die Jugendämter halten müssen.
    Videoaufzeichnungen für alle Gespräche und Verhandlungen. Dies ist entgegen der Angaben der Behörden durchaus möglich, denn in Ländern wie Schweden und Dänemark wird das schon lange so gemacht und es gibt null Ärger mit den europäischen Datenschutzbestimmungen.
    Es wird für jedes Bundesland eine Stelle eingerichtet, die diese Videos stichprobenartig auswertet und bei Verdacht die Verfahren am jeweiligen Gericht genauer unter die Lupe nimmt. Ich gehe jede Wette ein dass schon alleine diese Maßnahme die Zahl der Anträge auf Inobhutnahme drastisch zurückgehen lassen würde.
    Alle Vormunde, Verfahrensbeistände und Gutachter müssen nachweisen, dass sie den Großteils ihres Einkommens aus anderen Quellen beziehan. Gutachter müssen mindestens fünf Jahre praktische Erfahrung nachweisen. Pro Kind bzw. Familie gibt es nur noch einen Pauschalbetrag für jede Stelle.
    Richter müssen Fortbildungen zur kindlichen Entwicklung absolvieren. Alle Fortbildungen für alle Beteiligten müssen von unabhängigen Instituten zertifiziert werden.
    Den Städten und Landkreisen, die die Zeche bezahlen müssen, wird ein Recht auf unabhängige Überprüfung gewährt. Ich habe ausgerechnet, dass alleine der Heimaufenthalt meiner Tochter die Stadt Augsburg mehr als eine Million Euro gekostet hat. Darin enthalten sind aber noch nicht die Kosten für die Gerichtsverfahren, Gutachter, mehrfache Therapie (die fast jedes dieser Kinder und auch oft genug die Eltern brauchen) und und und. Das alles zahlt der Steuerzahler, vornehmlich die betroffene Gemeinde, kein Wunder dass die Gemeinden pleite sind! Die reinste Gelddruckmaschine!
    Ich danke Menschen wie Ihnen, Herr Creydt, und auch Hannes dafür das Sie daran arbeiten dass dieser Skandal endlich publik wird. Vor allem danke ich Hannes für seinen Mut und die Hoffnung die er mir gegeben hat. Ich hoffe jetzt meine Töchter sehen Beiträge wie diesen und fangen dann an, das zu hinterfragen was man ihnen die ganze Zeit erzählt hat. Vielleicht können wir dann trotz der verlorenen Jahre doch wieder eine Familie werden. Dir, Hannes, und allen anderen betroffenen Kindern wünsche ich dass für euch alles gut wird und ihr das Leben führen könnt das für euch und eure Bedürfnisse gut ist. Ihr habt es verdient.

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